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Treffen mit polnischen und ukrainischen Altersgenossen

11.04.2018

Zevener Zeitung am 11.04.2018 - Bericht von Bert Albers

 

Auch fast 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs scheint vielen Deutschen der Osten Europas fremder als der Westen. Schüler der KGS Tarmstedt haben in den zurückliegenden Tagen in dieser Hinsicht ihren Horizont deutlich erweitert. Sie trafen sich in Polen mit polnischen und ukrainischen Altersgenossen.

 

„Begegnungen an authentischen Orten haben eine andere Wirkung“, ist Markus Wollny überzeugt. Und Krzyzowa (Kreisau) ist ein solcher Ort. Das Dorf in Niederschlesien war 1942 und 1943 Treffpunkt des sogenannten Kreisauer Kreises, der Pläne schmiedete für eine Zeit nach dem Ende der Hitler-Diktatur. Dort verbrachte Wollny, Geschichtslehrer an der KGS Tarmstedt, fünf Tage mit 13 seiner Schüler und der Kollegin Alena Gildein. Sie nahmen an einer internationalen Begegnung mit Jugendlichen aus Kiew und Danzig teil. Ziel der Zusammenkunft: Völkerverständigung. Die gehört an der zertifizierten Europaschule KGS zwar seit Jahrzehnten dazu, die Kontakte in den Osten sind allerdings noch jung. Vor fünf Jahren hatte Wollny die Partnerschaft mit angeschoben.

 

Seitdem gab es diverse Begegnungen. Nur in der Ukraine war bisher keine möglich wegen des Krieges im Osten des Landes. Der sorgte auch dafür, dass die einstige Partnerschule in Donezk mittlerweile nicht mehr existiert. Eine von dort geflohene Lehrerin nahm die internationale Kooperation mit an ihre neue Schule in Kiew. Die Treffen erfreuen sich bei den KGS-Schülern durchaus gewisser Beliebtheit. „Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass das ein interessantes Projekt ist“, so Wollny kurz vor der heutigen Heimreise. Hinzu komme ein grundsätzliches Interesse an Polen, einem Land, dass man sonst als junger Mensch eher selten zu sehen bekomme.

 

Die Frage nach nationaler Identität stand im Mittelpunkt der Begegnung. „Um ein Land oder eine Person kennenzulernen, muss man mehrere Geschichten erzählen.“ Diese Erkenntnis sollten die Jugendlichen möglichst von der Reise mitbringen. Viel sei das Bild von den Menschen anderer Nationalitäten von Stereotypen geprägt. „Fragt man einen Ukrainer nach Deutschland, dann fällt dem BMW und Audi und Adidas und Bier und Würstchen ein“, weiß der Pädagoge. „Ich hoffe, wir sind mehr als das.“

 

Die gängigen Klischees von Polen hingen hingegen mit Diebstahl zusammen und Ukrainer seien in den Augen anderer Völker vor allem dem Wodka zugetan. An dieser Problematik arbeiteten die Schüler tagelang in Workshops. Eine weitere Annäherung erfolgte beim Singen am Lagerfeuer und bei einem Ausflug nach Breslau. Gestern dann besuchte die internationale Gruppe das vor einem Jahr eröffnete Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig. Das ist zwar Gegenstand innenpolitischer Auseinandersetzungen in Polen, doch darunter habe die Attraktivität bisher nicht gelitten, so Wollny. „Absolut sehenswert“ und technisch auf dem aktuellen Stand sei es „eines der modernsten Museen in Europa“. Wie lange das gilt, bleibt abzuwarten. Die national-konservative Regierung Polens stört sich an der differenzierten Darstellung der Geschichte dort und wünscht sich einen patriotischen Blick auf die Geschehnisse ab 1939.

 

Wie sich der Besuch des Museums und die Reise als Ganzes auf die Schüler ausgewirkt hat, sei schwer abzuschätzen, sagt der Lehrer. „Ich hoffe, dass das was mit denen macht. So etwas zeigt sich aber oft nicht unmittelbar.“ Wenn es nach Wollny geht, war es aber keinesfalls die letzte Begegnung dieser Art mit Schülern der KGS. „Es wird auf jeden Fall weitergehen. Vieles ist denkbar, und wir haben da auch schon ein paar Ideen.“

 

Kurz vor dem Abschluss ihres Treffens besuchten die Schüler der KGS Tarmstedt und deren neue Freunde aus Polen und der Ukraine das Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig. Heute kehren sie nach Tarmstedt zurück. Wollny

 

Foto: Zevener Zeitung 11.04.2018 - Bert Albers